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Die 50er Jahre

Vom privaten Fischer zum Genossenschafter

Am 21. Dezember 1952 war der Gründungstag der Genossenschaft. An der Küste und auch im Binnenland wurde damit nach dem Vorbild in der Landwirtschaft mit der Kollektivierung begonnen – „Vom ich zum wir:’ Der Fischer als Privatunternehmer wird zum Genossenschafter. Bis Ende der fünfziger Jahre wuchs die Fischereiproduktionsgenossenschaft „Müritz” stetig. Mit 36 Mitgliedern, die auf einer Wasserfläche von 12.407 ha fischten, begann der Aufbau des Betriebes. Von staatlicher Seite unterstützte man natürlich den Beitritt von privaten Fischereibetrieben. So wurde die Genossenschaft bei der Belieferung mit Materialien, wie Netzen, Satzfischen und technischer Ausrüstung deutlich bevorzugt. Die Kollektivierung vollzog sich somit, anders als im „sozialistischen Frühling” in der Landwirtschaft, fast freiwillig. Hinzu kam, dass die lnventarbeiträge, also der Aufkauf privater Grundmittel, ein zusätzlicher Anreiz für etliche Fischer war, der Genossenschaft beizutreten. Nach und nach kamen die Fischereien in Eldenburg, Malchow, Kieve, Wredenhagen, Buchholz, Vipperow und Sietow zur FPS „Müritz”.

Die 60er Jahre

Die erfolgreiche Entwicklung in den fünfziger und sechziger Jahren machte sich auch finanziell bemerkbar. Die Genossenschaft konnte beträchtliche finanzielle Mittel als Reservefond anlegen. Von Seite des Staates wurde die Gründung eines Kooperationsverbandes von vier Genossenschaften und eines volkseigenen Betriebes im Bezirk Neubrandenburg unterstützt. Damit konnten Mittel für gemeinsame Investitionen genutzt werden. So entstanden in Waren ein Fischverarbeitungsbetrieb und drei weitere kooperative Abteilungen. Sie waren an den volkseigenen Betrieb angeschlossen und produzierten Satzfische, Speiseforellen und Fischereitechnik.

Die 70 er Jahre

Nach 1970 entstanden in der Landwirtschaftder DDR zunehmend größere Produktionseinheiten. Dieser Trend ging auch an der Binnenfischerei nicht vorbei. Die Produktionsgenossenschaft werktätiger Fischer „Müritz': kurz PwF „Müritz” genannt, wurde auf Druck der Räte der Bezirke Neubrandenburg und Schwerin mit der Produktionsgenossenschaft werktätiger Fischer „Plauer See” zur PwFWaren- Plau gewissermaßen zwangsvereinigt. Am 21.12.1976 beschlossen die Mitglieder beider Genossenschaften, fast auf den Tag genau 24 Jahre nach der Gründung der Warener Genossenschaft, den Zusammenschluss.

1976 wurden bereits 17.767 Hektar Gewässerfläche befischt.
Zur wirtschaftlichen Stabilisierung der damals noch jungen Fischereiproduktionsgenossenschaft „Müritz” und um dem allgemeinen Mangel an Nahrungsmitteln und Rohstoffen in den fünfziger Jahren entgegen zu wirken, wurden sogenannte Nebenproduktionen, wie Schilfrohrverarbeitung, Nerzfarm und Geflügelmast aufgenommen. Die ökonomischen Ergebnisse der Nebenproduktionen überstiegen in den siebziger Jahren den Wert der Fischproduktion deutlich.

Die 80er Jahre

Ökonomische Probleme in der DDR machten vor Binnenfischern nicht halt

Die achtziger Jahre waren durch die drastische Zunahme von ökonomischen Problemen in der DDR geprägt. In der gesamten Wirtschaft waren große Schwierigkeiten zu verzeichnen. Kürzungen bei der Zuteilung von Kraftstoffen, Energie, Brennstoffen, die fehlenden Ersatzteile und starke Einschränkungen von Investitionen kennzeichneten die allgemeine wirtschaftliche Situation. Ohne dass es offen ausgesprochen wurde, befand sich die DDRWirtschaft in der Krise. Auch die Produktionsgenossenschaft der Binnenfischer Waren-Plau blieb davon nicht verschont. Es musste sehr viel improvisiert werden, um den Betrieb funktionsfähig zu halten. Dabei wurde auch auf Unkonventionelles, ja Kurioses zurückgegriffen. Man dachte über den Einsatz von Segelbooten für die Fischerei und Holzvergasern für die LKW nach und setzte ein Pferdegespann für den innerörtlichen Transport ein.

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen entwickelte sich in wenigen Jahren eine bedeutende Forellenproduktion. Die Aufzucht von Speiseforellen fand weitgehend in Netzkäfigen auf den Seen statt. Insgesamt wurden an acht Standorten bis zu 350 Tonnen produziert. Der zunächst die Produktion hemmende Mangel an Satzfischen konnte durch den Bau der Setzlingsanlage in Wilsen behoben werden.

Die Wendezeit :: Müritzfischer

Die Wendezeit

Nach der Wiedervereinigung war die bisherige Betriebsform als Produktionsgenossenschaft nicht mehr zeitgemäß. Mit dem Stichtag 1.1.1991 wurde die Genossenschaft der Binnenfischer Waren-Plau in die Fischerei Müritz-Plau GmbH umgewandelt. Die Umwandlung der Genossenschaft in eine GmbH, die D-Mark Eröffnungsbilanz und vor allem die Anpassung der Produktion an die neuen Marktverhältnisse, standen auf der Tagesordnung. Neue Betriebskonzepte waren gefragt. Schrittweise wurde auf den Fischereihöfen des Betriebes mit der Direktvermarktung unserer Erzeugnisse begonnen. Räucheröfen mussten beschafft und Schlachträume gebaut werden. Damit entstand ein stabiles Absatzsegment, das bis heute einen wesentlichen wirtschaftlichen Pfeiler für den Betrieb darstellt.

Ab 1991 wurde ein eigener Fischhandel aufgebaut. Mit der Entwicklung des Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern konzentrierten auch wir uns auf diesen neuen Erwerbsbereich. Durch die Übernahme der Teichwirtschaft Boek im Jahr 1994 konnte der Verkauf von Satzfischen deutlich erhöht werden. Zu unseren Kunden zählen hier vor allem die Landesanglerverbände in unserem Bundesland und in Brandenburg. Der Ausbau der Fischverarbeitung und die Zertifizierung als EU-zugelassener Verarbeitungsbetrieb trugen wesentlich zur Qualitätssicherung bei.

Die Weiterentwicklung ab dem Jahr 2000 :: Müritzfischer

Die Weiterentwicklung ab dem Jahr 2000

Die Erweiterung des eigenen Handelsgeschäftes führte nun zunehmend zu Engpässen in der Beschaffung der notwendigen Rohware. Wir suchten nach Möglichkeiten, dieses Defizit auszugleichen. Deshalb übernahmen wir in der Mitte der 90iger Jahre die Handelsfirma F&F Rostock, um den Einkauf von Handelsware zu verbessern. Im Jahr 2000 wurde die Tollensefischerei e.G. Neubrandenburg durch die Müritzfischer übernommen und 2009 die Mehrheit der Anteile an der Salemer Fischerei GmbH erworben. Damit konnte die Beschaffung von Fisch als Rohwarenbasis deutlich verbessert werden.

Neben ihrer eigentlichen Arbeit engagieren sich die Müritzfischer auch in der Fischereiforschung und kooperieren mit mehreren Forschungseinrichtungen. Als Referenzbetrieb des Landes Mecklenburg-Vorpommern besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Institut für Fischerei der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei unseres Bundeslandes. Das Institut ist in der Fischereiforschung zu unserem Hauptpartner geworden. An einer Reihe von Forschungsthemen der Seenfischerei und der Aquakultur sind wir mit unseren Betriebsteilen beteiligt. Das betrifft unter anderem die Wiedereinbürgerung des Störs und die Bestandsstützungen des Ostseeschnäpels.

Die Gegenwart :: Müritzfischer

Die Gegenwart

Wenn wir Müritzfischer auf die letzten zehn Wirtschaftsjahre zurückblicken und uns an die ersten Jahre nach der Gründung unseres Unternehmens erinnern, dann glaubt man kaum wie sich diese Fischerei gewandelt hat. Die Veränderungen gehen dabei sehr rasant vonstatten. Früher war der Binnenfisch ein Grundnahrungsmittel. In der heutigen Zeit ist er schon fast ein Luxusartikel. Wir, in unserer Branche, sind exotisch aber dafür sehr authentisch und unser Umgang mit dem Rohstoff Fisch ist nachhaltig. Viele andere Lebensmittelproduzenten reden von Nachhaltigkeit oder Genuss – erreichen dieses Ziel aber nicht – bei uns ist das alltäglich.

Die Zukunft :: Müritzfischer

Die Zukunft

Wohin geht die Reise in den nächsten 10 Jahren?

Wir leben im „Digitalen Zeitalter“ Die Zeit rast, auch bei uns Müritzfischer. In unserem Unternehmen gibt es gegenwärtig mehr als 30 PC-Arbeitsplätze. Das Internet ist für uns Vertriebs- und Organisationsplattform. Wir sind mitten drin in der Globalisierung. Unsere Mitbewerber sind auch die “Großen” der Branche. Im Gegensatz zu anderen Lebensmittelerzeugern gibt es für die Binnenfischereiunternehmen keinerlei Subventionen. Trotz allem existieren wir nun schon seit 60 Jahren . Was erwartet uns in den nächsten 60 Jahren? Keiner weiß es so genau. Die Zeit rast genau so schnell weiter. Wir wissen nur was bleiben wird: unsere Liebe zu unserem Beruf, unser altes Handwerk, unsere herausragende Qualität und unsere einmaligen Produkte.